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5.6 Urheberrecht
 
„Urheber eines Werkes ist, wer es geschaffen hat“
Dem Urheberrechtsgesetz (UrhG) nach hat er allein das Recht u.a auf Verwertung, Verbreitung, Vervielfältigung des Werkes. „Werke im Sinne dieses Gesetzes sind eigentümliche geistige Schöpfungen auf den Gebieten der Literatur, der Tonkunst, der bildenden Künste und der Filmkunst.“
Der urheberrechtliche Schutz hängt vom Inhalt der Information, von der geistigen Schöpfung eines Menschen die dahinter steckt, ab. (Vgl.: Dillenz, 1999:13ff)
In diesem Abschnitt soll die Problematik um die geistige Schöpfung (HTML-Seiten) im WWW und im Zusammenhang mit dem TOP-System beschrieben werden.


5.6.1 Die Urheberrecht-Problematik im WWW

Durch den rasanten Aufstieg des Internets seit seinen Anfängen, und die damit zusammenhängende kontinuierliche Zunahme der Menge an elektronischen Daten und Informationen, wird es immer schwieriger geistiges Eigentum zu schützen.
„Das Urheberrecht verschafft dem Urheber eine Machtposition.“ (Boehme-Neßler, 2002) Urheber haben im WWW diese Machtposition verloren. Sie können ihre geistigen Schöpfungen nicht mehr verwerten, da das Digitalisieren, Kopieren und Verbreiten eines elektronischen Werkes über das Internet für Benutzer trivial und daher Gang und Gebe ist.
Neben dem Verlust dieser Machtposition können die negativen Auswirkungen für den Autor „von direkten finanziellen und rechtlichen Schäden bis hin zu Imageverlusten reichen." (Dittmann & Steinmetz, 1999) Das Verlinken von Informationen ermöglicht in Hypertext-Dokumenten, dass Materialien in einem ganz anderen Umfeld eingebettet werden können.


5.6.2 Die Urheberrecht-Problematik im Zusammenhang mit dem TOP-System

Im UrhG werden u.a. zwei Verwertungsrechte, die dem Urheber zustehen beschrieben:„Der Urheber hat das ausschließliche Recht, das Werk - gleichviel in welchem Verfahren und in welcher Menge - zu vervielfältigen.“
„Der Urheber hat das ausschließliche Recht, Werkstücke zu verbreiten. Kraft dieses Rechtes dürfen Werkstücke ohne seine Einwilligung weder feilgehalten noch auf eine Art, die das Werk der Öffentlichkeit zugänglich macht, in Verkehr gebracht werden.“
Das Vervielfältigungsrecht und das Verbreitungsrecht werden beim TOP-System verletzt. Eine digitale Kopie einer HTML wird auf einem File-Server abgelegt und der Öffentlichkeit in einem neuen Rahmen zugänglich gemacht.
Wenn auf ein Dokument mittels Hyperlink verwiesen wird, stellt das noch kein Problem dar. Solange Autor und Quelle genannt werden, wird das Urheberrecht nicht verletzt. Plagiat liegt dann vor, wenn diese Informationen fehlen. Das Hauptproblem ist jedoch die notwendige Kopie des Textes. Wenn Texte nicht am File-Server dupliziert abgelegt werden, würde andereseits die grundsätzliche Idee um das TOP-Konzept keinen Sinn ergeben.


5.6.3 Vergleichsfälle

Diese folgenden Beispiele sollen dazu dienen, einerseits einen möglichen Vergleich zum TOP-System herstellen zu können (5.6.3.1) und sollen andererseits zeigen, dass der Umgang mit elektronischen Medien der technischen Entwicklung hinterher hinkt. In den Beispielen unter 5.6.3.2 wird der Rechtsinhaber nicht in der Art und Weise verständigt, wie es das Urheberrechtsgesetz vorsehen würde.

5.6.3.1 Kostenpflichtige Datenbankrecherche von Yahoo
Seit Anfang diesen Jahres bietet Yahoo in Zusammenarbeit mit Divine Inc. eine kostenpflichtige Recherche in über 70 Millionen Volltext Dokumenten aus ca. 7000 Publikationen an.
Bevor der User zwischen einem und vier Dollar für den Volltext bezahlt, hat er die Möglichkeit, Metadaten wie Autor, Quelle, Umfang, Schlagwörter und Preis zu lesen.
Der Content ist lizenziert, man hat insgesamt 48 Stunden Zeit, das Dokument abzuspeichern oder auszudrucken. Nach diesem Zeitraum muss neuerlich für weitere 48 Stunden gezahlt werden. Es werden keine Urheberrechte verletzt, da sämtliche Content-Anbieter Verträge mit Divine bzw. Yahoo abgeschlossen haben.
Es wird im Gegensatz zum TOP-Konzept nur dem zahlenden Benutzer die Möglichkeit geboten den Text zu lesen und abzuspeichern. Was der Benutzer in weiterer Folge mit dem Text macht, liegt nicht im Verantwortungsbereich von Yahoo.

5.6.3.2 Archivierung von Websiten
Ungelöste Urheberrechtsfragen sind bei folgenden Projekten festzustellen, die entweder wahllos oder gezielt Internet Seiten abspeichern.
Die Non-Profit-Organisation Archive.org ermöglicht mit der sogenannten „Waybackmachine“ einen kostenfreien Zugang zu 100 Terrabyte Internet-Historie.
Die schwedische Nationalbibliothek archiviert im Rahmen des Projektes Kulturarw3 periodisch seit 1996 alle Websiten die in Bezug zu Schweden stehen.
Für einen noch selektiveren Ansatz hat das Pandora Archive der National Library of Australia entschieden, welche nur ausgewählte Webseiten archiviert.
In Österreich wird das Web-Archivierungsprojekt „AOLA“ (Austrian Online Archive) von der Österreichischen Natinalbibliothek betreut. Pro Tag wird nach eigenen Angaben ca. ein GB aus dem Netz gespeichert.
Diese Projekte werden im Gegensatz zum TOP-System nicht mit einem kommerziellen Grundgedanken betrieben. Millionen von Dokumenten, werden auf riesigen Servern abgelegt und kostenfrei zugänglich gemacht, ohne den Autor zu informieren und um Erlaubnis zu fragen. Das Hauptmotiv ist die Geschichte des Internets zu archivieren und das kulturelle Erbe zu sichern.


5.6.4 Konsequenzen für TOP-System

Das Hauptproblem in diesem Zusammenhang ist, dass es im Moment noch nicht möglich ist, Verletzungen von Urheberrechten im Internet aufzuspüren und nachzuweisen. In Zukunft ist es aber denkbar, dass dieses Problem mit digitalen Wasserzeichen umgangen werden kann. Das Prinzip von diesen „digital Watermarks“ ist, dass relevante Daten für das Urheberrecht in das Dokument sichtbar oder unsichtbar eingebettet sind.
Es besteht die theoretische Möglichkeit, den Autor über die Verwendung seines Werkes automatisiert über eine Datenbankschnittstelle zu informieren.
Solange aber digitale Wasserzeichen im Internet nicht standardisiert sind, bleibt factline nur die Möglichkeit ein System zur Verfügung zu stellen welches dem Zitierenden die Verantwortung der Lizensierung der Texte nicht abnimmt. Der Zitierende selbst muß mit dem Autor Kontakt aufnehmen und eventuell finanziell einig werden.
Factline kann aus praktischen Gründen heraus keinen Kontakt mit dem Autor herstellen, da sich der Kontaktierungsprozess in den meisten Fällen wahrscheinlich als zu aufwendig gestaltet. Außerdem kann nicht gewährleistet werden, dass der kontaktierte Autor wirklich der Urheber des Werkes ist. Der Faktor Aufwand könnte zu einem kritischen Erfolgsfaktor für das System werden.

Factline bleibt daher m.E. vorerst nur die Möglichkeit, ein System zur Verfügung stellen, in dessen Geschäftsbedingungen klar und deutlich definiert wird, dass der Zitierende eine mögliche Verletzung des Urheberrechts begeht.

Das fehlende Bewusstsein und die typische Meinung, dass das Internet ohnehin frei wäre, könnte in diesem Zusammenhang die Akzeptanz des TOP-Systemes schwächen. Die Verwendung dieses Systems könnte daran scheitern. Dieser Faktor sollte daher bei der weiteren Planung berücksichtigt werden.

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Autor: sebastian udulutsch; Copyright: Sebastian Udulutsch; Publiziert von: sebastian udulutsch (sebastian)
factID: 115133.2 (...Archiv); Publiziert am 25 Nov. 2002 17:12
 
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